Jeden Tag ein Wort

Wie viele Worte passen in einen Satz?
Wie viele Worte braucht es, um einem Satz Sinn zu geben?

Die Antworten sind unerheblich, da sie letztendlich relativ zu dem sind, was der Satz ausdrücken soll.
Die Anzahl von Wörtern in einem Satz sagt weder etwas über dessen Inhalt noch über Bedeutung und Wirkung dessen, was da geschrieben steht, aus.
Wortzahlen sind unbedeutend, wenn es darum geht, eine spannende Geschichte zu erzählen.

Dennoch scheint das Zählen von Wörtern für viele eine immanente Wichtigkeit auszustrahlen:
Geschriebene Worte heute: 453
Geschriebene Worte in dieser Woche: 6.093
Geschriebene Worte in dieser Geschichte: 43.880

SCHAU HER: Meine Zahlen!
Und Stolz klingt in ihrer Ankündigung mit.

In diesen euphorischen Zeilen mag eine mystische Verheißung mitschwingen: Der Glaube, etwas geschaffen zu haben, die Hoffnung, ein gutes Stück vorangekommen zu sein, der Traum, eine wahre schriftstellerische Leistung zu vollbringen.

Jedoch: Kann man sprachliche Leistung in Wortzahlen messen?

Ich glaube nicht.

Der Zwang, dem man sich selbst auferlegt, eine gewisse Menge an Zahlen täglich auf Papier zu bringen, scheint meiner Meinung nach einem kreativen und wortgewandten Geist entgegen zustehen.

Eine Geschichte zu erzählen heißt nicht nur, ihre Begebenheit Schritt für Schritt niederzuschreiben. es heißt viel mehr: Den richtigen Aufbau finden, die Zusammenhänge auf erstaunliche, unbekannte, vielleicht sogar verwirrende Art darzustellen, um sie dann in einer umfassenden Wende zu einem erkenntnisreichen Ende zusammenzufügen.
So etwas schüttelt man selten aus dem linken Ärmel.
Besonders nicht, wenn man unter dem Druck steht, „etwas schaffen zu müssen“.

Schreiben braucht Zeit. Und das Gefühl, für genau diesen Satz jetzt bereit zu sein.

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Yve sagt:

    Ein bisschen Druck tut mir ganz gut, allerdings gehe ich nach Seiten und nicht nach Wörtern, denn wie du sagst, ist es nicht die Menge an Wörtern, die eine Geschichte ausmacht. Pro Woche 20 Normseiten sind gut zu schaffen. Wenn es mal nicht klappt, ist das auch keine Katastrophe. Manchmal lässt das Leben eben keine Kreativität zu. Ich mache mir manchmal Abends, vor dem Schlafen, Gedanken um die nächste Szene/Kapitel und schreibe sie am Tag darauf nieder.
    Ich sage mir eher: Ich will das schaffen, aber nie ich „muss“ es schaffen. Dann wird es der Zwang, den du Beschrieben hast und dann macht es auch keinen Spaß mehr. Das wäre dann wie der Aufsatz in der Schule: „Schreibe über Thema XY 800 Wörter“. Manchmal war man ja schon nach 400 fertig, weil es einfach nichts mehr darüber zu sagen gab. Dann wurde es mit Füllwörtern aufgebläht. Zumindest war das immer meine Taktik, wenn nicht mehr kommen wollte. Bemängelt wurde es nie. Was ich schade finde. Es kam auch da nur auf die Zahl an.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich denke ebenfalls, dass es okay ist, auch mal nicht zu schreiben – auch für ein paar Tage. wenn es nicht geht, geht es nicht. Andererseits braucht man auch einen gewissen Druck, um voranzukommen – man muss sein eigenes Maß finden.

      Wortvorgaben gab es zum Glück nur im Englischunttericht. Wobei es im Deutschunterricht immer eine gewisse Konkurrenz unter uns Mädchen gab, wer mehr Wörter im Aufsatz geschrieben hatte… 😛

      Gefällt 1 Person

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