Planwahn!

Früher habe ich ein wenig geplant und dann einfach drauflos getippt.
Das hat Spaß gemacht.

Heute bin ich Hardcore-Outliner.
Und zwar aus folgendem Grund: Mein größter Frustrationsmoment beim Schreiben war, wenn ich nicht zum Schreiben gekommen bin.
Und das lag an folgenden Problemen:

1. Detailtiefe
„Sie trickst den Polizisten aus und verschwindet“ – Aha. Wer jemals seine senile Tante austricksen wollte, weiß, dass so etwas leichter gesagt ist als getan. Wie sieht er also aus, dieser ominöse Trick?

2. Der erste Einfall
Wenn man im Kopf nach einer tollen Idee sucht, sollte man sich eines bewusst machen: Die erste Idee, die einem in den Sinn kommt, ist in den allermeisten Fällen die naheliegendste Lösung, die auch jeder andere sogleich parat hat, der seinen Grips kurz anstrengt.

3. Verheddert
Wie oft, also wirklich WIE OFT habe ich mir schon beim Schreiben gedacht: Das hättest du aber schon zuvor erwähnen können. Oder später. oder gar nicht. Dann gehe ich zurück auf Seite 23, nein, halt Seite 24, oder doch lieber…? Da war doch dieser eine ganz bestimmte Satz…

All diese kleinen und großen Probleme kosten Zeit.
Eine detaillierte Planung erspart mir diesen Ärger während des Schreibprozesses. Dann kann ich einfach das tun, was ich mir vorgenommen habe: Die Geschichte schreiben.
Und zwar ohne lästige Unterbrechungen.
Mein Planungs-Werkzeug besteht inzwischen aus vier Notizbüchern, die verschiedene Aufgaben erfüllen:

Notizbuch „Die Basis“
Es beinhaltet alle wichtigen Fakten, Hintergründe und Übersichten sowie Charakterbögen, um den Überblick zu behalten.

Notizbuch „Das Herzstück“
Hier schreibe ich detailliert mit Bleistift Szene um Szene auf, jeweils nach Kapiteln geordnet. Dabei versuche ich, mir schon so konkret wie möglich Vorstellungen von dem Ablauf zu machen. Grundsätzlich schreibe ich nur auf der linken Seite, um rechts Platz für spätere Anmerkungen und Änderungen zu haben.

Notizbuch „Die Stütze“
Hier werden alle Vorüberlegungen festgehalten. Ich brauche diese Verschriftlichung, um Probleme zu visualisieren und meine Gedankengänge zu strukturieren. Anstatt einer losen Blattsammlung habe ich so immer alles beisammen und was abgearbeitet ist, wird durchgestrichen.

Notizheft „Für Später“
Da meine Geschichte mehr als einen Band umfasst, kommen mir mitunter auch Ideen, die im ersten Band noch gar nicht relevant sind. Das landet alles dort: Sowohl kleinere Ideenschnipsel als auch größere, plotrelevante Zusammenhänge.

 

Sicherlich ist eine so detaillierte Vorgehensweise nicht bei jeder Geschichte notwendig. Umso komplexer die Zusammenhänge werden, umso schwieriger ist es jedoch, den Überblick zu behalten (und ich habe sowieso eine Gabe dafür, mich zu verzetteln).
Vielleicht konntet ihr die eine oder andere Anregung für eure eigene Planungsarbeit mitnehmen 🙂

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18 Kommentare Gib deinen ab

  1. In der Keramik bin ich in letzter Zeit mehr und mehr dazu übergegangen, Objekte zu planen. Da ich primär geometrische Strukturen formen will, ist das eigentlich unabdingbar – es sei denn, ich will bewusst König Zufall einfliessen lassen.

    Was Du über das Schreiben sagst, gilt sicher auch manchmal beim Lesen. In meiner Jugend bin ich zweimal an Dostojewskis „Dämonen“ gescheitert. Eine große Skizze aller handelnden Personen, deren Verflechtungen untereinander, wäre hilfreich gewesen. Aber bei diesem Roman verschoben sich die Akteure ja zusätzlich noch nach und nach in ihrer Zuordnung zueinander und auch in ihrem Charakter.

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  2. Ich bin diesen Monat irgendwie gar nicht zum schreiben und planen gekommen (leider auch immer noch nicht zu dem Text ‚für dich‘ 😔) Der April hat soviel (gute) Veränderung mitgebracht. Habe aber geplant dass ich mir das nächsten Monat nicht mehr durchgehen lasse und mir, wenn es sein muss, Zeit freischaufeln werde. 💪🏻😊

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    1. Ach du, mir geht es doch genauso! Ich bin jetzt schon frustriert, wenn ich daran denke, dass ich ihn vier Tagen Die Rückschau auf den April schreiben soll, und fast nichts vorzuweisen habe 😛
      Ich hoffe, dass ich zumindest heute Abend mal noch etwas produktives schaffe!
      Und wenn du abgelenkt aufgrund so vieler schöner und guter Ereignisse warst, hat das ja auch was für sich 😉 Manchmal geht das Leben einfach vor^^

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  3. Oh je so viel mache ich gar nicht. Ich habe ein kleines A5 Notizbuch und darin schreibe ich alles zusammen rein. Einmal die ganze Geschichte und dann fange ich an zu schreiben. Beim schreiben entwickelt sich die Geschichte und dementsprechend ändere ich immer wieder die Notizen. Und bisher bin ich nie ins Chaos gefallen.

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  4. Eileen Blander sagt:

    „Sie trickst den Polizisten aus“ – einer meiner Klassiker. Alternativ auch „sie überzeugt ihn irgendwie davon, dass …“ oder „irgendwie schaffen sie es, dass …“ oder am besten „sie entwickeln einen Plan“.
    Sowas mache ich gerne, aber da ich das weiß, schrillen an solchen Stellen direkt die Alarmglocken.

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    1. Kenne ich auch nur zu gut! Wobei „überzeugen“ ja auch viel damit zu tun hat, wie man ein Gespräch aufbaut. Und das lasse ich dann doch lieber im Schreibfluss auf mich zukommen. 😉

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    2. stiftundfederblog sagt:

      „Sie trickst den Polizisten aus.“ ist doch ein Super-Satz für einen Einstieg ins comic relief. Du kannst erst erklären, wie sie es sich vorstellt und zeigst dann, wie gut „sie“ … geplant hat, indem es (fast) gar nicht funktioniert.
      Während du dieses Szenario beschreibst hast du locker Zeit den richtigen Plan zu entwerfen (natürlich hattest du von Anfang an vor es so zu gestalten). 😉

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      1. Wenn man seinen Charakter dumm dastehen lassen will, ist das sicherlich hilfreich^^

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      2. Eileen Blander sagt:

        Auch gut xD Aber leider sollte auch ein fehlgeschlagener Plan wohlüberlegt sein, damit die Figur nicht völlig inkompetent wirkt. Es sei denn, sie ist eben ein Trottel XD

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      3. stiftundfederblog sagt:

        Och, Inspector Gadget, Inspector Clouseau und Co. sind doch gute Beispiele dafür, dass man damit Erfolg haben kann ;-).

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      4. Eileen Blander sagt:

        Klar sag ich ja: Es sei denn es ist Absicht. Dann müssten sie nach Theorien aber sympathisch sein- ich kenne die Figuren jetzt nicht.

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  5. Nemeryll sagt:

    Meinen Respekt. Ich habe einen Aktendulli (schreibt man die so?!), wo ich meine Charakterprofile abgeheftet habe, zusätzlich zeichne ich die Karte meiner Welt selbst, mit allen Flüssen, Bergen, Städten usw. Das kostet zwar Zeit, erspart mir aber das Verirren in meiner Welt 😉 Hin und wieder kritzele ich Ideen irgendwohin, nur um festzustellen, dass ich die dann doch wieder spontan verwerfe. Nun ja. Ich muss sagen, im Job läuft die Planerei bei mir deutlich besser 😀

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    1. Eine Karte meiner Stadt bräuchte ich eigentlich auch mal noch dringend. Aber mich da festzulegen, wo denn nun was ist, fällt mir schwer. Vielleicht stelle ich an einer bestimmten Stelle meiner Handlung fest, dass es plottechnisch viel besser wäre, X sei in der Nähe von Y anstatt von Z? Dann muss ich ja alles neu zeichnen!

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  6. Hast du eine bestimmte Marke bei Deinen Notizbüchern bzw. -heften, die Du bevorzugst?

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    1. Pauschal kaufe ich gern die Notizbücher von paperblanks, weil die immer so schön aussehen. *-* „Das Herzstück“ ist ein Notizbuch von Canson, das ich auf ebay gekauft habe. Einfach, schwarz, weiße Seiten, es sollte schlicht sein. Und zum Kritzeln verwende ich günstige Exemplare, die es für ein paar Euro zu kaufen gibt 😉

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  7. griffkillsme sagt:

    Liebe gloriamonique,

    ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich dich sehr um diese detaillierte Planung beneide. Eigentlich bin ich allgemein ein sehr ordentlicher und strukturierter Mensch und das brauche ich auch, beim Schreiben jedoch genieße ich vielleicht einfach das komplette Gegenteil. Natürlich plane ich, wann ich bestimmte Kapitel abgeschlossen oder überarbeitet haben möchte und ich besitze einen Ordner mit allen Szenen oder Szenenschnipseln, die ich bereits geschrieben habe. Aber so umfassend und konkret, wie du das bereits Wochen und Monate vor dem eigentlichen „Pinselstrich“ schaffst, das ist wirklich beeindruckend. Meist behalte ich die allgemeine, grobe Planung einfach im Kopf. Wirklich festhalten kann ich sie nicht, auch weil die besten Ideen bei mir oft erst während des Schreibens kommen.

    Gerade hoffe ich allerdings, mir daran ein Beispiel nehmen zu können und es so ähnlich umzusetzen. Denn ein Teil der Probleme, die du hier so knapp, schlicht und doch so treffend beschrieben hast, kommt mir sehr vertraut vor…

    Liebe Grüße.

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    1. Ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht einfach ist, wenn man ins schwimmen gekommen ist, wieder Grund unter die Füße zu bekommen. Für mich war das immer das totale Knockout! Ich hoffe jedoch für dich, dass du deinen roten Faden wiederfinden kannst 🙂

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