Der ewige Kampf: Gut vs. Böse

„Muss es im Fantasy-Genre immer um den Kampf zwischen Gut und Böse gehen?“, ereiferte sich einmal ein Autorenkollege.
„Ja, muss es.“, war meine Antwort.

Um die Auffassung des Kollegen zusammenzufassen: Fantasy-Autoren erschaffen mystische Welten, spannende Magiesysteme und zauberhafte Wesen – weshalb kann es in einer so fantastischen Welt nicht einen anderen Plot geben, als das, was sich auf Gut vs. Böse reduzieren lässt?

Dabei ging es nicht darum, ob Charaktere nicht nur böse oder nicht nur gut sein können. Letzten Endes laufen auch jene Mischformen immer auf einen Gut-Böse-Konflikt hinaus. Denn jeder Held braucht einen Gegenspieler, der, auch wenn er gute Absichten hat, in einer konkreten Situation als Bösewicht auftritt.
Und meiner Meinung nach geht es auch nicht ohne.
In der Literaturwissenschaft geht man in einer Geschichte (egal welchen Genres) von folgender Grundsituation aus:
Der Protagonist hat ein vertrautes Umfeld, das von seinem Erfahrungshorizont begrenzt wird. Eine Geschichte, die nur von jener gewohnten Umgebung erzählt, wäre langweilig, denn es wäre lediglich eine Beschreibung von Tatsachen. Erst dadurch, dass der Held die Grenzen seines vertrauten Umfelds überschreitet und dadurch neue Erfahrungen macht, entsteht eine Handlung.

Der Beginn von „Der Herr der Ringe“ zeigt jenes vertraute Umfeld der Hobbits sehr detailliert auf. In den umfangreichen Beschreibungen, die Tolkien vornimmt, ist jedoch noch keine Handlung enthalten. Erst durch Frodos Erbe und das Auftreten Gandalfs kommen Veränderungen auf, die Frodo dazu zwingen, sein gewohntes Umfeld aufzugeben und sich den Konflikten, die auf ihn warten, zu stellen.

Grenzüberschreitungen sind also grundsätzlich mit Veränderungen verbunden.
Gehen diese Veränderungen jedoch grundsätzlich mit einem Konflikt zwischen Gut und Böse einher?
Ich sage, ja.

Frodo muss sich einerseits immer wieder inneren Konflikten stellen. Das wird besonders deutlich, als der Ring in ihm eine Seite erschafft, die den Ring behalten will. Dadurch wird der Konflikt zwischen Gut und Böse in seiner Seele stark verdeutlicht. Zudem ist er äußeren Konflikten ausgesetzt: Sowohl den Meinungsverschiedenheiten mit seinen Freunden als auch den großen Konflikten zwischen den Reichen und letztendlich jenem mit Sauron muss er sich stellen.

Die Konflikte beruhen dabei immer auf einem Für und Wider – das sich dann in der Ausgestaltung als Gut und Böse zeigt.
Sicherlich muss sich dies nicht immer so deutlich zeigen wie in „Der Herr der Ringe“.
Dennoch bin ich der Meinung, dass Konflikte das tragende Element eines Fantasy-Epos‘ ist.

Seid ihr anderer Meinung?
Ich freue mich auf regen Austausch mit euch.

Eure Alex

Photo by Pixabay

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Für und Wider

    Das schon, aber kein „Gut und Böse“.

    Ich war 2001 in Tokio, zu Besuch eines Freundes, der dort seit kurzem arbeitete.
    Ich schaute mir spät abends alte „Western“ der USA aus den frühen Sechzigern an. Der einzige verständliche Sender zeigte genau solche Streifen.
    In einem Streifen hatte der Protagonist den Wunsch, die Farm seines Vaters zu verlassen. Er wollte in die weite Welt hinaus.
    Dazu musste er aber auch seine Freundin zurücklassen.
    Als er davon ritt, wurde er gewahr, daß seine Freundin am nahegelegenen See von einem Unhold belästigt wurde.
    Er sprang ab, rannte zu der Stelle und schlug den Unhold mit den Worten nieder “ You dirty pack of muscles!“.
    Dieser Zwischenfall überzeugte ihn schliesslich, doch ZUHAUSE zu bleiben.

    Das war solch ein Fall: Es ging um einen inneren Konflikt.
    Das Bewusstsein eines unlauteren Akts durch jemand anderes gab ihm genau die Kraft, einen physisch stärkeren Gegner zu besiegen.
    Er war hier richtig, man brauchte ihn.

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  2. EllaW. sagt:

    Ich finde, wenn man es ganz weitläufig betrachtet hast du recht. Einen Konflikt zwischen gut und böse gibt es irgendwie immer. Dabei ist das gut und böse aber in den verschiedensten Formen vorhanden. Dunkle Gedanken? Illegale Taten? All das kann ja schon der böse Aspekt sein, obwohl die Figur an sich vielleicht gar nicht böse ist, wie du selbst sagst. Ich bin jedenfalls der Meinung, ohne den “Gut-und- Böse-Konflikt“ funktionieren die meisten Geschichten nicht. Das gilt nicht nur für Fantasy. 🙂

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  3. Ja ich sehe es auch für und wider. Es kommt drauf an.

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  4. interessanter eintrag …

    seit einiger zeit fällt mir auf … wie KRAMPFHAFT sich die schreiber amerikanischer serien und filme BEMÜHEN … ihre charaktere nicht nur schwarz oder weiss … also gut oder böse … zu „zeichnen“ … sondern dem „Konsumenten“ ihrer WERKE … zu zeigen … dass niemand … NUR böse … oder NUR gut ist …

    wenn ich mir ansehe … wer dieses volk momentan regiert … mir vor augen führe … dass diese menschen ihn GEWÄHLT haben …

    fällt es selbst mir schwer … die hoffnung zu erlangen … dass diese menschen … in der lage sind … GUT und BÖSE zu unterscheiden …

    geschweige denn … irgendwelche „zwischentöne“ zu begreifen.

    da mangelt es mir nicht nur an hoffnung … sondern sogar auch … an PHANTASIE …

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  5. Eileen Blander sagt:

    Da fällt mir spontan Die Drachenkämpferin von Licia Troisi ein. Achtung, Spoiler des ultimativen Plot Twists.
    Über drei Romane hinweg wird der Gegenspieler der Hauptdarstellerin als das Böse schlechthin dargestellt. Ein böser, skrupelloser und brutaler Mann, der die ganze Welt unterjochen will.
    Schleichend bemerken wir auch dunkle Seiten an der Protagonistin, aber das wirkliche Grauen ist und bleibt der Gegenspieler.
    Nun, in der finalen Auseinandersetzung stellt sich heraus, dass der Gegenspieler im Grunde nur gute Absichten hat und die Protagonistin beinahe von seinem Vorhaben überzeugt. Mit einigen wenigen Sätzen hat er das Bild, das durchgehend von ihm erzeugt wurde, zerschmettert.
    Also stelle ich mir die Frage, was ist überhaupt „Gut“ und was ist „Böse“? Kehrt Gut und Böse sich um, wenn ich die andere Perspektive einnehme?
    Ich sehe keinen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern einen zwischen denkenden Individuen, die unterschiedlicher Ansichten sind. Ob das nun Gut oder Böse ist. lässt sich so einfach, wie ich finde, gar nicht feststellen. Konflikt, ja. Aber zwischen Gut und Böse?
    Finde ich schwierig.

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    1. Mich würde ja jetzt doch noch interessieren, ob sich die Protagonistin hat von dem Bösen überzeugen lassen und wie die Geschichte ausgeht 😀
      Aber auch wenn sich die Verhältnisse zwischen „Gut“ und „Böse“ umkehren – bleibt es nicht doch noch eine Auseinandersetzung zwischen beiden? Vielleicht ist es zuletzt eine Definitionsfrage 😉

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      1. Eileen Blander sagt:

        Dann solltest du die Reihe lesen 😉
        Wenn es sich umkehrt, ja, natürlich. Das war nur eine Randüberlegung meinerseits.

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  6. Hmmm, wenn man da so pragmatisch rangeht, ist das aber nicht nur beim Fantasy so. Im Krimi jagt der „gute“ Kommisar den „bösen“ Kriminellen, beim Thriller ist das Ganze noch ausgeprägter. Und bei Liebesgeschichten gibts fast immer irgendwo jemanden, der dem Glück der Liebenden im Weg steht.

    Ich sehe das Gut VS Böse aber wie du als notwendiges Element der Fantasy an. Damit transportieren wir ja eine Grundfragen unserer Existenz einfach nur in ein anderes Umfeld und können die Frage so vlt besser reflektieren.

    Und abgesehen von diesem hochtrabenden Geschwurbel, die Bösen sind doch meistens das Coolste an einer Story, oder?

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    1. Stimmt, vielleicht ist der Kampf zwischen gut und böse in allen (?) Geschichten elementar enthalten. Müsste man auf den Grund gehen.
      In jedem Fall hast du recht, ohne coolen Bösewicht wäre es doch fast schon langweilig 😉

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