Es war schrecklich erschreckend!

Adjektive.
Jeder Autor, der nur einen flüchtigen Blick in einem Schreibratgeber geworfen hat, weiß, dass der übermäßige Gebrauch von Adjektiven zu vermeiden ist.
Dabei sind Adjektive doch großartig, um Dinge so detailliert wie nur möglich zu beschreiben und ein authentisches Bild im Kopf des Lesers zu erschaffen. Dennoch sind adjektivreiche Ausführungen nicht immer vorteilhaft.
Warum genau, will ich anhand eines ausgedachten Beispiels erläutern:

Sie stand einsam in der dunklen Nacht und der kalte Regen fiel ihr auf die schmalen Schultern. Das Herz pochte schmerzhaft gegen ihre Rippen und die Kälte wanderte langsam ihre Glieder hinauf. Hastig blickte sie sich um. Schnell überquerte sie die vom grellen Straßenlicht beleuchtete Straße und versteckte sich im schwarzen Schatten des nächsten kleinen Einfamilienhauses. Hatte man ihr heimlich aufgelauert? Plötzlich hörte sie hinter sich ein raschelndes Geräusch. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in die Finsternis. Dann folgte ein gellender Schrei und alles war vorüber.

Die Fehler auf einem Blick:

  1. Um Spannung aufzubauen ist es sinnvoller, mit kurzen Sätzen zu arbeiten. Adjektive bauschen die Sätze unnötig auf. Zudem verstopfen sie den Lesefluss.
  2. Die immer gleiche grammatische Struktur von Adjektiv plus Substantiv wie im ersten Satz (dunkle Nacht, kalter Regen, schmale Schultern) wirkt gestelzt und ist nicht besonders abwechslungsreich.
  3. Durch die große Masse an Adjektiven neigt der Leser dazu, diese zu überlesen, da sie keinen Eindruck mehr auf ihn machen.
  4. Vorsicht vor Sinnwiederholungen: Nächte sind immer dunkel, Schatten immer schwarz und Einfamilienhäuser naturgemäß klein. Adjektive sollten nur dann verwendet werden, wenn sie dem Satz oder der Wortgruppe eine neue Information geben und den Textinhalt bereichern.
  5. Gleiches gilt für Adverbien wie bei heimlich auflauern. Das Wort auflauern impliziert bereits, dass dies heimlich getan wird. Gerade bei Adverbien fallen Dopplungen nicht so leicht auf.
  6. Ein raschelndes Geräusch kann auch ganz einfach ein Rascheln sein. Vermeidet unnötig komplizierte Wortkonstrukte.
  7. Ist euch aufgefallen, dass in dem kurzen Absatz dreimal erwähnt wird, wie dunkel, schwarz und finster es ist? Sicherlich hat das der Leser schon beim ersten Mal begriffen. Durch häufigen Einsatz von Adjektiven neigen wir dazu, uns zu wiederholen.
  8. Oder wir widersprechen uns: In der dunklen Nacht taucht plötzlich eine grelle Straßenbeleuchtung auf? Was genau soll sich der Leser nun vorstellen?

 

Anstatt wild mit ihnen im Text um sich zu werfen, ist ein gezielter Einsatz zu empfehlen, in dem das Adjektiv eine klar bestimmbare Funktion erfüllt.
Man sollte sich also immer fragen: Was will ich mit dem Adjektiv ausdrücken?
Oder sie auch mal ganz weglassen. Das kann sowohl deinem Text als auch dem Leser zugute kommen.

Wie wichtig deine Adjektive für den Text sind, kannst du ganz einfach testen, indem du alle Adjektive aus dem Text löschst (nachdem du ihn zwischengespeichert hast) und sie nun nach und nach wieder hinzufügst. Schnell wird auffallen, welche Adjektive notwendig, überflüssig oder unpassend sind.

Eure Alex

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. alles rein in den topf … rühren … FERTIG …

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    1. So gehts natürlich auch 😀

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      1. bei manchen … geht´s NUR so … 😳

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      2. Kommt aber auch auf den Stil und den Text an 😉

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      3. yo … aber ich schreibsl ja nur zum spass a bisserl rum … ich hab´s ja mehr mit der Musik …

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  2. Ich habe keine Ahnung von Adjektiven etc und sehe auch keinen Unterschied. 😂 Aber mir wurde mal zu meinem Geschriebenen gesagt, dass richtig gut beschreibe weil ich viele Verben benutzte. Was das heißt, weiß ich ebenso wenig. 😂😂😂😂😂

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  3. Punkt Nr. 4 fällt mir oft unangenehm auf. Wieso nicht den Spiess umdrehen und ein riesiges Einfamilienhaus in einer helleren Nacht (zb Vollmondnacht) beschreiben.🤔
    Eine schöne Zusammenstellung Alex, mir fällt keine Ergänzung ein 😏

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    1. Genau so soll es sein: Weg mit den Klischees und neue, eigene Ideen entwickeln! 🙂
      Danke für die lieben Worte 🙂

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      1. Ja, trotz den „Regeln“ ist Sprache beweglich u nd manchmal nur schwer fassbar. Da hilft nur ausprobieren, beobachten und daraus lernen. 🙂

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  4. Eileen Blander sagt:

    Ich habe deinen sehr interessanten, informativen Artikel sehr gerne gründlich, freudig und gespannt gelesen. Schöne, bildhafte Adjektive können einen Text sehr interessant, anschaulich und bildhaft machen, allerdings, wie du schon sagtest, kann man dies auch sehr stark übertreiben. Zum Beispiel habe ich einmal kritisch, aber offen einen Text gelesen, der viele schöne, bildliche und auch aussagekräftige Adjektive in sich hatte. Dadurch wirkte das Ganze leider etwas gestelzt, künstlich und altbacken. Das habe ich der Person auch freundlich, höflich und nett gesagt. Die Person hat verständnisvoll reagiert.
    In diesem adjektivreichen Sinne möchte ich mich herzlich, erfreut und gedankenreich für den Artikel bedanken, der bezaubernd aufgreift, was Adjektive grauenvoll anrichten können.

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    1. Ich danke für diese sehr ausführliche, freundliche und zuvorkommende Rückmeldung. Ein geblümter Stil hat in seiner schieren Übertreibung jedoch sicher auch seinen eigenen Reiz: Um ironisch und lachhaft Figuren zu konterkarieren. 😉

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      1. Eileen Blander sagt:

        Ich unterschreibe das einfach mal adjektivlos- ach verdammt.

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  5. stiftundfederblog sagt:

    Ein Bild mit Worten zu malen scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Doch je genauer wir wissen, wie es aussieht, desto mehr Wörter verwenden wir. Im Prinzip nichts Schlechtes, doch es verleitet auch sehr schnell dazu beweisen zu wollen, dass man viele Wörter beherrscht und verwenden kann.
    Aber muss man dies beweisen? Immerhin baut der Leser durch seine Vorstellungskraft (die auf seinen eigenen Worten beruht) das Bild mit auf. Eine reduzierte Adjektivwahl beweist somit doch auch, dass man den Leser mehr einbezieht und als Teil des Ganzen wahrnimmt. Quasi eine Form des Respekts.

    Irre ich mich oder hat sich dein Autorenname im Artikel geändert?

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    1. Eine sehr treffende Bemerkung zu dem Thema! Ja, ich glaube, dass man öfter mal den Leser und seine Fähigkeiten unterschätzt 😉
      Und ja, ich habe mich entschieden, Farbe zu bekennen und unter meinem echten Namen Beiträge zu veröffentlichen 🙂

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  6. Katharina sagt:

    Du hast sicherlich Recht, dass Adjektive einen Satz oft nur aufbauschen und leere Worte sind, allerdings glaube ich auch, dass man durch die Art, wie und an welcher Stelle man welches Adjektiv benutzt, seinem Schreibstil eine individuelle Note geben kann. Es wäre ja auch blöd, wenn wir alle gleich schreiben würden. Trotzdem sollte man sich überlegen, an welcher Stelle das Adjektiv wirklich Sinn macht. In den von dir genannten Dopplungen könnte es z.B. ein Stilmittel der Verstärkung sein 🙂

    LG Katharina
    #KBiS17

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