In Worte gefasst

Um ein Geschehen in Worte zu fassen, braucht es nicht viel.

Wir brauchen Stimmung:
Es regnete in Strömen. 
Wir brauchen ein Setting:
Gerade bog sie um die nächste Straßenecke. Er lief ihr nach, so schnell er konnte. 
Wir brauchen Spannung:
Hoffentlich war es noch nicht zu spät.
Wir brauchen Handlung:
„Katja!“, rief er völlig außer Atem. Die junge Frau blieb stehen und drehte sich zu ihm um. In diesen Augenblick schien die Zeit stehen zu bleiben. „Maik! Aber warum…“, Katja blieben die Worte im Hals stecken. 
Wir brauchen Drama:
Ihre Augen glänzten feucht. Maik nahm all seinen Mut zusammen.
Wir brauchen ein Happy End:
„Katja, willst du meine Frau werden?“ Katja schossen die Tränen in die Augen. „Ja, ich will.“, sagte sie mit erstickter Stimme und fiel ihrer großen Liebe in die Arme.

Beeindruckt? Wohl kaum.
Die ganze Situation ist so von Klischees und abgedroschenen Formulierungen überladen, dass dabei nicht einmal ein Hauch von Stimmung vermittelt wird.
So oder so ähnlich haben wir das Geschehen schon tausend Mal vorgeführt bekommen, vorzugsweise in Groschenromanen und Dumping-Filmproduktionen. Die haben sicherlich auch ihre Berechtigung als kurzweiliges Unterhaltungsmittel.
Aber solche GZSZ-Szenen haben einen großen Nachteil: Sie sind nichts besonderes. Ihnen fehlt jede Spannung. Der Leser weiß schon, was im nächsten Satz passieren wird. Er fühlt nicht mit und im schlimmsten Fall überliest er das ganze einfach.

Um den Leser innerlich zu bewegen, um ihn zu faszinieren und vor Spannung an dein Buch zu binden, braucht es mehr als solche nichts sagenden, leeren Worthüllen.
Es braucht Innovation.
Klingt wie aus einer Autowerbung. Was ich aber meine ist: In jeder Handlung, in jeder Szene, in jedem Satz muss eine kleine Überraschung für den Leser warten. Egal wie klischeehaft die Situation auch sein mag – eine Formulierung ab des ausgetretenen Sprachweges kann den Leser erstaunen, erschrecken oder schmunzeln lassen.

Ich erinnere mich, dass besonders solche Momente beim Lesen einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen haben.

Dazu braucht es den Willen, sich auf die Suche nach eigenen Formulierungen zu machen: Zu beobachten, zu fühlen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man das, was man gerade erlebt, mit Worten einfangen kann, um es später im fiktiven Geschehen der Geschichte anzuwenden.

So etwas braucht Übung: Zukünftig möchte ich vermehrt Momente in Worten festhalten und auf meinem Instagram-Account posten. Wer sehen will, wie ich mich dabei anstelle, kann mir auf wortinseln folgen. Ich freu mich auf euch 🙂

Eure Alex

Photo by pixabay

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12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich finde deine Beiträge immer wieder sehr hilfreich! Vielen Dank dafür 😊

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    1. Danke für die lieben Worte 🙂 es freut mich zu wissen, dass es so stetige Leser gibt!

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  2. Liebe Alex,

    super, sehe ich genauso!

    Jeder hat schon Kischee geschrieben, auf die eine oder andere Weise. Es ist etwas das beim lernen helfen kann. Sich an den Seilen des Bekannten über den Abgrund des Unbekannten Terrains zu hangeln. Für die ersten Werke finde ich das nicht schlimm.

    Nur sollte man sich weiter und darüber hinaus entwickeln.

    Liebe Grüße

    Laura

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    1. Liebe Laura,
      ja, da gebe ich dir absolut recht. Manches Mal überkommt es mich auch und ich schreibe so richtig schöne Klischee-Kurzgeschichten. Aber meistens landen die lediglich auf meiner Festplatte^^
      Liebe Grüße, Alex

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  3. Hi Alexandra,
    ein schöner Beitrag und mit den GZSZ-Szenen hast du absolut recht! Dennoch finde ich, dass man innovative Formulierungen auch nicht in jedem Satz umsetzen kann. Das wirkt häufig sehr bemüht und ist vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle einfach nicht nötig. In den wichtigen Szenen, ja, unbedingt! aber vielleicht nicht überall.

    Momente mit Worten einfangen ist wirklich Übungssache! Mir fällt das auch oft schwer und ich nehme mir immer wieder vor, im Alltag bewusst Situationen mal im Kopf in Wort zu fassen. Ich will in dieser Sache auch unbedingt Fortschritte machen und freue mich schon auf deine Posts dazu =)
    Liebe Grüße, Daniela

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    1. Hallo Daniela,
      Ja, das stimmt, vielleicht war „immer und in jedem Satz“ etwas übertrieben 😉 Ich hab nur oft das Gefühl, dass es sich viele zu leicht machen und gar nicht merken, wie sie lediglich Phrase an Phrase hängen…
      Liebe Grüße, Alex

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      1. Hi Aley,
        das stimmt auch! Da wird zu häufig der leichte Weg eingeschlagen. Obwohl mir das manchmal auch passiert und ich immer schnell umschreibe, wenn es mir auf fällt 😀

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  4. Eileen Blander sagt:

    Ich selbst nutze solche Formulierungen manchmal auch. In ersten Entwürfen sind sie als Platzhalter wahrscheinlich auch fantastisch geeignet, man muss nur seinen Kopf darauf trainieren, beim Überarbeiten nicht drüber zu lesen. Wenn ich beim Schreiben so etwas bemerke, suche ich meist eine andere Formulierung, will mir aber nichts einfallen, gebe ich mich damit vorerst zufrieden.
    Richtig eingesetzt also ein ziemlich hilfreiches Tool für Autoren. Aber das sollten wir den Lesern in fertigen Werken natürlich nicht zeigen 😉

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    1. Stimmt, als Platzhalter ist das gar nicht mal so schlecht. Unterbricht einem nicht im Schreibfluss, um das Wesentliche erst einmal zu Papier zu bringen. Überarbeiten muss man ja so oder so X)

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  5. Guten Morgen!
    Ein sehr schöner Beitrag und du hast SO recht, kaum etwas ist langweiliger als Klischees über Klischees in einem Buch. Dein Tipp, den Leser in klischeehaften Situationen wenigstens mit der Sprache zu überraschen find ich toll 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

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  6. Katharina sagt:

    Ohoh, das ist durchaus schwer, denn manchmal schwelge ich beim Schreiben selber gerne im Kitsch. Aber es ist auf jeden Fall richtig, dass man für solche Szenen eine eigene Handschrift entwickeln sollte, was sicherlich nicht von heute auf morgen geht!

    LG Katharina
    #KBiS17

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    1. Du bist ja eine fleißige Kommentatorin 🙂
      Mich würde aber mal interessieren: Wie hast du denn zu meinem Blog gefunden, du schreibst ja auf Blogspot und nicht auf WordPress?
      LG Alex

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