Leseprobe

Ich schreibe eine Geschichte über zwei jungen Frauen, die in einer fantastischen Welt leben und tragende Rollen in einer gesellschaftlichen Umwälzung einnehmen, die letztendlich in einem Bürgerkrieg gipfelt. 

Auszug aus Gloria und Monique

Die La-Fontaine-Siedlung zog sich von der Hauptstraße entlang der Rue d’Acrole einen Hügel hinauf bis zur Rue Charlot, an deren Ende ein Löschteich gelegen war. In penibler Gleichheit reihte sich dort ein Häuschen neben das andere. Mit ihren glänzenden Dächern und den niedrigen Buchsbaumheckchen  hob sich die Neubausiedlung deutlich vom alten Dorfkern ab. Das letzte Haus in dieser Reihe, etwas zurückgesetzt, war vom gegenüberliegenden Feldweg aus gut zu erkennen. Monique behielt es die ganze Zeit im Blick, während ihr Atem langsam zur Ruhe kam.
Anfangs ließ nur die aufgescheuchte Taubenschar und das anhaltende Hundegeblaff vermuten, dass das malerische Bild trog. Erst als das Tageslicht gänzlich verschwand und der Himmel im Westen hell, im Osten dunkler, sich über das Dorf spannte, sah man das Glühen der Flammen sich an den grauen Fassaden widerspiegeln und dicken Qualm in die Nacht hinaufsteigen.

Vor wenigen Stunden hatten Moniques Eltern das Haus verlassen mit den Worten, sie solle doch bitte nichts anstellen.
Bitterkeit stieg in ihr auf, während sie nervös den Verschluss des alten Sturmfeuerzeugs geräuschvoll auf- und zuklappen ließ. Klack-klack. Klack-klack. Ihre Mutter hat das Geräusch mehr als einmal zur Weißglut getrieben. Klack-klack. Moniques Spiel mit dem Feuer hatte sie noch nie verstanden.
„Du bist halt anders.“, hatte ihr Vater einmal gesagt. Klack. Die immer zahlreicheren Brandflecken auf ihrem Schreibtisch hatte er stets geflissentlich übersehen. Klack. Und nicht einmal mit den Wimpern hatte er gezuckt, als sie vor Wut die Samtgardinen im Wohnzimmer angekokelt hatte.
Er hatte lediglich eines Tages im ganzen Haus die Rauchmelder abgebaut.
Nur ihre Großmutter hatte es immer gut mit ihr gemeint.

Als die Sirenen der Feuerwehr zu Monique hinüber schallten, stand sie noch immer wie betäubt am Feldweg und blickte hinüber zu dem flammenden Haus. Hinter dem Gefühl, endlich frei zu sein, pochte die Angst, sich von nun an allein durchschlagen zu müssen, gegen die Schranken ihres Bewusstseins.
Unvermittelt erschien ein dunkler Schatten neben ihr und blickte fragend auf sie hinab.
„Ich habe mich entschieden.“, sagte sie und wendete sich vom Anblick des Dorfes ab. Mit verkniffenem Mund warf sie sich ihren Rucksack über die Schultern und lief weiter den Feldweg entlang, bis sie über einen flachen Hügel stieg und ihr Zuhause hinter sich ließ.