Immer nur das gleiche…

Im Anschluss an die Wunschliste von chaoskingdom zu neuen Buchideen meckern gerade viele Blogger ebenfalls über das aktuelle Angebot auf dem Büchermarkt.
Oft genannt: In Fantasybüchern treten immer wieder dieselben Wesen auf, die Protagonistin verliebt sich immer in den Bad Boy, Liebesgeschichten enden immer mit einem Happy End und warum muss der Held immer irgendwie besonders sein (Stichwort auserwählt, übernatürlich, …).

Auch ich habe keine Lust, stets dieselben Geschichten zu lesen, die man lediglich aufgrund ihres Covers auseinanderhalten kann.
Aber wer ist verantwortlich dafür, dass es immer nur dieselbe Literatur zu lesen gibt?

Viele Blogger richten ihren Aufruf nach mehr Abwechslung an die Autoren. Erst einmal kein falscher Ansatz, immerhin sind das ja diejenigen, die die Bücher schreiben.
Aber wenn man sich mit Autoren über ihre Buchideen unterhält, fällt auf: Jeder möchte eine einzigartige Geschichte schreiben. Etwas noch nie dagewesenes. Etwas besonderes. Hierin verbirgt sich ein Großteil ihrer Motivation, diese, nämlich ihre eigene, einzigartige Geschichte zu schreiben. Auch wenn sie sich nicht selten von anderen Ideen inspirieren lassen.
An den Autoren kann es also nicht wirklich liegen.

Zusätzlich zu den Autoren wenden sich viele an die Verlage.
Sie wählen immerhin aus, welche Manuskripte es wert sind, als Buch verlegt zu werden.
Hier gilt oft, dass ähnliche Ideen erfolgsversprechender sind als völlige Neuheiten.
Tatsächlich werden aber auch immer wieder Bücher abseits vom Mainstream aufgelegt. Vor Herr der Ringe gab es keine Fantasyepen, vor Harry Potter keine Zauberschulen-Geschichten, vor Twillight kein Romantasy-Genre.
An den Verlagen allein kann es also auch nicht liegen.

Was viele nicht im Blick haben, sind die Buchhandlungen. Sie sind noch stärker festgefahren in ihrem Glauben: Was einmal gut ging, geht auch weiterhin gut. Wenn ein Romantasy-Buch sich gut verkaufte, stellen sie gleich mehrere ähnliche auf einen großen Tisch, um weitere Käufer anzulocken.
Büchertische sind kein Konglomerat verschiedener Geschichten, sondern meist eine Zusammenstellung des immer wieder gleichen Geschichtentyps.
Verlage, die neue Geschichten vermarkten wollen, müssen mitunter schwer verhandeln, damit diese einen guten Platz in den Verkaufsauslagen bekommen. Oft sind Buchhandlungen nicht bereit, echten Neuheiten einen der begehrten Plätze vorn auf dem Büchertisch zuzugestehen. Dort steht nur, was bereits erfolgreich ist. Entweder landen die Sonderlinge im Regal oder gar nicht erst in den Verkaufsräumen.

Und zuletzt ist es natürlich eine Frage von dir selbst, zu welchen Büchern du greifst, wenn du in die Buchhandlung gehst. Bleibst du nicht auch immer vorn am Auslagentisch stehen und greifst nach jenem Werk, dass da besonders vorteilhaft platziert wurde? Gehst du nicht auch immer an allen anderen Tischen und Regalen vorbei, genau zu dem, wo du schon die vier anderen Bücher gekauft hast, die doch alle irgendwie gleich waren?

Letzten Endes sind es eine Reihe von Faktoren, die dazu führen, dass scheinbar immer nur dieselben Bücher in den Buchhandlungen stehen.
Drei Tipps, was man gegen den vermeintlichen Einheitsbrei tun kann:

1. Sich stärker im Bereich Selfpublishing umschauen. Dort werden viele Bücher abseits vom Mainstream verlegt, die es so vielleicht nicht bei einem Verlag geschafft hätten.
2. Statt in eine Buchhandlung mal in eine Bibliothek gehen. Dort werden Bücher nicht nach Verkaufsstrategien ausgelegt, sondern nach Namen sortiert. Dann wird man nicht so sehr bei seiner Wahl beeinflusst.
3. In den Buchhandlungen auch mal die Regale durchforsten und nicht nur die Büchertische begutachten. Oft verstecken sich da in den unteren Reihen Geschichten, die weniger typisch sind und nicht zu dem passen, was gerade als Verkaufsschlager gilt.

 

Photo by Pixabay

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21 Kommentare Gib deinen ab

  1. C.K. Moises sagt:

    Das mit den Buchhandlungen habe ich noch nie wirklich bedacht. Ich dachte ehrlicherweise das Verlage so etwas entstehen lassen. Danke für deinen Beitrag^^

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    1. Mir hat das mal vor einiger Zeit einer meiner Germanistik-Professoren erklärt. Ich war damals auch sehr erstaunt.

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  2. Das mit den unteren Reihen ist ein guter Tip!
    Ich schaue auch die offenbar schon länger stehenden Bände an. Die stehen ja mit dem Buchrücken zum Betrachter, nicht mit dem Cover.

    Unlängst ein Buch gekauft, das optisch reisserisch aufgemacht war und dem ich deshalb erst mal gar keine Bedeutung beimaß. Erst durch eine zufällige Leseprobe merkte ich, daß es sich um ein fundiertes Buch handelte.

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  3. chaoskingdom sagt:

    Schöner Beitrag! Danke, dass du das so aufgefasst hast und Tipps mit verarbeitet hast. : )

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    1. Ich habe gerade soooo einen Schreck bekommen, als ich in den Statistiken sah, dass Leute über Twitter auf meine Blog gelangen – dabei nutze ich Twitter selber gar nicht! Hu, war gerade mächtig irritiert XD aber danke fürs teilen 🙂

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      1. chaoskingdom sagt:

        Hahaha, na aber gerne! Musste das direkt mal teilen! Twitter ist fantastisch! Solltest du wirklich mal machen! : )

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      2. Ich weiß immer nicht, was ich da schreiben soll^^ ich habs nicht so mit kurzfassen 😀

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      3. chaoskingdom sagt:

        Ach, das lernst du schon. Musst ja auch nicht immer was schreiben. Twitter ist auch sehr viel Sarkasmus! 😀

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  4. Sehr schöner Beitrag, der in erstem Ton zusammenfasst, was wirklich Sache ist. Mir ist ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen, dass es zu dem Thema tatsächlich so eine Welle gab. Als meinen Beitrag geschrieben habe, dann überhaupt nicht wegen chaoskingdom oder so, sondern, weil ich Wochen zuvor mit meiner Freundin darüber diskutiert habe und weil ich unsere Feststellungen in dem Beitrag einfach zusammenfassen wollte 😀 !
    Aber super, vor allem deine Tipps für Leser am Ende!

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    1. Ich will ja gar nicht altklug daherkommen. Es ist ja eine Tatsache, dass der Buchmarkt bisweilen sehr einseitig ist. Ich will nur nicht, dass man das pauschal den Autoren in die Schuhe schiebt. Da fühle ich mich doch ein wenig in meiner Ehre gekränkt 😛

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      1. Das habe ich nun wirklich nicht beabsichtigt😉❤️!

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      2. Wollte ich dir und auch niemand anderen unterstellen 😉

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  5. lydeentales sagt:

    Buchhandlungen ohne Spezifizierung sind da extrem einseitig. Ich selbst habe in einem Fantasy Laden gearbeitet, der unter einer Buchhandlung seinen Verkaufsraum hatte.
    Da ist mir dieser Unterschied erst aufgefallen. Mein Laden ist da völlig anders, aber nur im High Fantasy und Science-Fiction Bereich. Wurde die Fantasy romantisch oder urban, war mein Chef nicht sonderlich engagiert.
    Und für History oder Krimi gibt es keine spezifischen Läden.
    Dabei schrei ich selbst immer laut, man solle im Buchhandel und nicht im Internet kaufen… hmm

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    1. Solche Läden kenne ich gar nicht! Vielleicht sollte ich mal in Berlin oder Hamburg die Augen offen halten, wenn ich das nächste Mal da bin. Das ist auf jeden Fall eine interessante Alternative.
      Im Internet kann ich gar keine Bücher kaufen (außer ich weiß, was sie beinhalten). Trotz Leseprobe brauche ich einen eigenen, persönlichen Eindruck von der Geschichte und dem Schreibstil: Ich muss ein Buch beliebig aufschlagen und mich spontan mitreißen lassen, sonst bleibt es in der Buchhandlung liegen. Im Internet kann ich solche „Recherchen“ nicht vornehmen….

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  6. Katja sagt:

    Hi Gloriamonique,

    ich mag an Bibliotheken sehr gerne, dass man auch Bücher, die vor 5-10 Jahren erschienen sind, findet.
    Ich persönlich höre mich auch gerne bei Freunden und Bekannten mit einem ähnlichen Geschmack um – da funktionieren konkrete Anfragen („Ich such ein Buch, in dem die Charaktere ähnlich glaubwürdig sind, wie die von George Martin.“) auch sehr gut.

    Viele Grüße,
    Katja

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    1. Ja, Empfehlungen sind auch eine gute Idee! Ich lese selbst fast nur auf Empfehlung 😉

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  7. Eileen Blander sagt:

    Ich war eine Zeit lang häufiger in der Buchhandlung, ohne ein Buch zu kaufen, weil alles so gleich klang (es stand so ziemlich auf jedem Klappentext das Wort Intrigen drauf). Irgendwann wurde es aber besser, da war ein ganzer Schwung neuer Bücher da, unter dem ich auch welche gefunden habe, die mich angesprochen haben. Auch noch gemeinsam hatten diese Bücher übrigens das Cover. Es sah alles sehr ähnlich aus, und für meinen Geschmack für Fantasy zu … real, normal. Ich befürchte nur, die Buchhandlungen werden sich in dem Punkt nicht ändern, denn ganz offensichtlich verdienen sie ja gut damit. Never touch a running system, nicht wahr?

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    1. Ja, ich glaube auch, dass Veränderungen auf dem Buchmarkt nur sehr schleppend im Buchhandel ankommen. Andererseits: Wenn ein bestimmtes Subgenre bedient wird, dann aber auch richtig! Da in einer Buchhandlung bei mir in der Stadt auch ein ganz tolles Bistro integriert ist, gehe ich dort mindestens einmal die Woche zum Mittagessen hin. Und jedes Mal muss ich feststellen, dass schon wieder neue, bunte Cover auf den Auslagentischen liegen. Ein ständiger Wechsel – nur wenn man sich die Klappentexte durchliest, stellt man fest, dass es doch immer wieder nur das Gleiche ist…

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      1. Eileen Blander sagt:

        Ich mag diese Tische in der Regel nicht so gerne, mir gefallen die Regale besser.
        Das Gute ist, dass es ja nicht nur gleiche Bücher gibt. Man muss eben ein bisschen suchen …

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  8. Ulrike Sokul sagt:

    Liebe Gloria Monique,

    als „alte“ Buchhändlerin möchte ich mich doch gerne zu Thema fehlender Bücherartenvielfalt äußern.
    Die großen Buchhandelsketten und gewisse Online-Konzernkraken haben leider WESENTLICH dazu beigetragen, daß die Bibliodiversität nachgelassen hat. Bei Verlagen wird die Konzernkonzentration auch immer größer, allein der Verlag Random House beherbergt mehr als vierzig Verlage unter einem Dach.
    Mir gefällt diese BESTSELLERMONOKULTUR ganz und gar nicht! Ich habe noch in einer Buchhandlung gelernt, in der – unter achtsamer Berücksichtigung der Kundennachfrage – nach vielseitiger, individueller Lektürebegeisterung eingekauft und verkauft wurde.
    Ich habe auf meinem Buchbesprechungsblog einmal einen nostalgischen Rückblick dazu geschrieben:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/bemerkungen-zum-buchhandel/

    Buchhandlungen machen Bücher sinnlich-sichtbar und greifbar, und gute Buchhändler bringen Büchervielfalt einfühlsam ins Gespräch. Im besten Falle ist eine Buchhandlung auch gelebte Kleinkunst, gepflegte Sprachkultur sowie Improvisationstheater, das spontan-wortspielerisch aus manchen Verkaufsdialogen entsteht. Doch solche Kulturbuchhandlungen haben Seltenheitswert …

    Bibliophile Grüße 🙂
    Ulrike von Leselebenszeichen

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